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Agenda

Als Calvin in Straßburg weilte (1538-1541)

Une exposition conçue et présentée par la Bibliothèque nationale et universitaire en collaboration avec la Faculté de Théologie.

Entrée libre
Lundi : 14 - 18 h
Mardi - samedi : 12 - 18 h
Fermé dimanches et jours fériés

Renseignements et réservations :
03.88.25.28.00
bnu.fr / contact@bnu.fr

Visites guidées : tous les mardis à 16h30

Publication :
Catalogue de l’exposition : 216 pages, Prix 25 €

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Als Calvin in Straßburg weilte (1538-1541)

23/10/2009 - 12/12/2009

Johannes Calvin wurde am 10. Juli 1509 in Noyon geboren. Im Andenken an den fünfhundertsten Geburtstag organisieren die Protestantische Theologische Fakultät und die National- und Universitätsbibliothek Straßburg eine originale Ausstellung, welche die drei Jahre, die Calvin in Straßburg verbrachte, zum Thema machen.

Im April 1538 wurde Calvin aus Genf ausgewiesen, weil er versucht hatte, seine Vorstellung der Kirchenzucht aufzuzwingen (die Urheber des Skandals wurden nicht zum Abendmahl zugelassen) und die Unabhängigkeit der neuen Kirche gegenüber der politischen Macht durchzusetzen. Darauf ließ sich Calvin in Basel nieder, um sich dort seinen Studien zu widmen. Doch dem Straßburger Reformator Martin Bucer (1491-1551), der um das Talent des jungen Mannes wusste (Calvin hatte sich bereits 1536 als Autor der Institutio, des Unterrichts der christlichen Religion, einen Namen gemacht), gelang es, Calvin von seinen ruhigen Gelehrtenleben loszureißen und ihn nach Straßburg kommen zu lassen.

Die freie Reichsstadt Straßburg, die sich 1529 definitiv für die Reformation entschieden hatte, gewährte seit vielen Jahren zahlreichen französischsprachigen Flüchtlingen, vor allem aus Metz, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden, Unterkunft. Diese etwa hundert französische Glaubensflüchtlinge benötigten einen Pastor. Für diese Aufgabe als Pastor und Lehrer kam der Name Calvin ins Gespräch – trotz seiner Jugend: In Genf hatte sich der Franzose als überzeugender und mutiger Prediger profiliert, seine Schriften zeugten von seiner Begabung, seinem literarischem Talent und seinem Können zur präzisen Zusammenfassung.

Calvin kam im September 1538 nach Straßburg, wo er drei Jahre blieb, bis ihn die Genfer nach vielerlei Bitten wieder zurückholen konnten, nachdem in Genf ein Regierungswechsel stattgefunden hatte.

Doch die drei Straßburger Jahre sind nicht bloß eine Fußnote im Leben jenes Mannes, der genauso wie Luther das Abendland auf Jahrhunderte hinaus verändert hat. Im Austausch mit Martin Bucer, Johannes und Jakob Sturm sowie mit Wolfgang Capito hat Calvin seine Vorstellung von der Kirche und von ihrem Verhältnis zur Politik weiterentwickelt, ja sogar ihre eine neue Richtung gegeben.

Da er hier weniger drückende Verpflichtungen hatte wie in Genf konnte er in einer ruhigen Umgebung einige seiner wichtigsten Werke publizieren, wie beispielsweise die französische Version der Institutio, Unterricht in der christlichen Religion (1541): Es handelt sich bei dieser literarischer Großtat um die erste, eigentliche theologische Abhandlung in französischer Sprache.

Die drei Straßburger Jahre sind also von entscheidender Bedeutung. Daher ist es nur logisch und begrüßenswert, dass Straßburg zum Anlass des fünfhundertsten Geburtstags des Reformators diese Jahre ins Zentrum ihres Interesses stellt.

Jean Calvin, à l’époque où il quitta Strasbourg: Paul Lienhardt - Société de l’Histoire du Protestantisme français. Huile sur bois, 34 x 47 cm.Jean Calvin, à l’époque où il quitta Strasbourg: Paul Lienhardt - Société de l’Histoire du Protestantisme français. Huile sur bois, 34 x 47 cm. 
Übersicht über die Ausstellung

Diese Ausstellung mit dem Schwerpunkt auf dem Straßburger Aufenthalt Calvins (1538-1541) setzt sich zum Ziel, das Wissen darum zu vervollständigen und zu erneuern. Sie stützt sich dabei fast ausschließlich auf literarische Schätze aus Straßburg selbst: Die etwa 130 gezeigten Dokumente stammen hauptsächlich aus der National- und Universitätsbibliothek, aber auch aus dem Archiv der Stadt Straßburg sowie aus der Protestantischen Mediathek. Einige Manuskripte enthalten auch seltene oder sogar einzigartige Illustration aus dem 16. Jahrhundert.

Strasbourg au XVIe siècle : Argentoratum – Strassburg: In : Georges Braun, Franz Hogenberg, Simon Novellanus, Civitates Orbis Terrarum, Anvers et Cologne : Ph. Galle, 1572. Strasbourg, Bibliothèque Nationale et Universitaire. Iconographie alsatique. M.CARTE.10.583Strasbourg au XVIe siècle : Argentoratum – Strassburg: In : Georges Braun, Franz Hogenberg, Simon Novellanus, Civitates Orbis Terrarum, Anvers et Cologne : Ph. Galle, 1572. Strasbourg, Bibliothèque Nationale et Universitaire. Iconographie alsatique. M.CARTE.10.583Diese Dokumente zeugen einerseits von Calvins Studieneifer, seiner Reflexion und seiner Lehrtätigkeit und andererseits von seiner Tatkraft, seinem Engagement in Fragen des täglichen Lebens der Stadt wie auch in den großen Debatten seiner Zeit, wo er bereit war, für seine Sichtweise der christlichen Werte einzustehen. Die ausgestellten Objekte decken nicht nur die Zeit von 1538 bis 1541 ab, sondern bringen auch die Vorgeschichte und die Nachwirkung von Calvins Straßburger Jahren zum Ausdruck.

 Die Ausstellung gliedert sich in acht Etappen:

1. Johannes Calvin vor seiner Ankunft in Straßburg
2. Die Straßburger Reformation und das Leben Calvins in Straßburg
3. Sein Hauptwerk: die Institutio, Unterricht der christlichen Religion
4. Pastor der französischen Gemeinde
5. Professor an der Hohen Schule und Bibelausleger
6. Johannes Calvin und die Spaltung der Christenheit
7. Johannes Calvin und Straßburg nach 1541
8. Johannes Calvin und seine Briefpartner: die Briefe der Sammlung Sarrau

Jean Calvin, Institutio christianae religionisJean Calvin, Institutio christianae religionis
Der Fonds Sarrau

Die bestehenden Bestände konnten vor kurzem durch das Legat des „Fonds Sarrau“ ergänzt werden. Es handelt sich um ein Konvolut von fünfzehn autographen Briefen, die nun erstmals dem Publikum zugänglich gemacht werden Diese Briefe, die Calvin zwischen dem 6. Oktober 1541 und dem 7. März 1563 erhalten hat, wurden am 1. Februar 1647 von Jean Carré, Pastor in Châtellerault, dem königlichen Kanzler im Pariser Parlament, Claude Sarrau, geschenkt. Die Nachkommen von Claude Sarrau haben diese wertvolle Sammlung zusammengehalten und aufbewahrt. Graf Gérald de Sarrau, der letzte Besitzer der Sammlung, die seit Generationen dem ältesten Kind vermacht wurde, hat sich im Jahr 2008 entschlossen, den Fonds der Protestantischen Theologischen Fakultät der Universität Straßburg zu schenken. Die Fakultät nimmt diese Schenkung mit großer Dankbarkeit entgegen und hinterlegt sie, mit dem Einverständnis des Gebers, als Depositum in der National- und Universitätsbibliothek. Anlässlich des fünfhundertsten Geburtstages von Calvin soll die Schenkung dieses wertvollen Kulturguts durch die Ausstellung sichtbar gemacht werden.

Lettre de Théodore de Bèze à Jean Calvin: Blâmont, 5 octobre 1562Lettre de Théodore de Bèze à Jean Calvin: Blâmont, 5 octobre 1562
Diese hauptsächlich historisch ausgerichtete Ausstellung wird durch mehrere zeitgenössische Bilder ergänzt, die Philippe François, Pastor der reformierten Kirche von Elsass und Lothringen, konzipiert und Bernard François, Maler und Bildhauer, gemalt hat: Zahlreiche Motive, die in Zusammenhang mit der Ausstellung (Calvin und der Humanismus, der Straßburger Psalter) bzw. mit dem theologischen Erbe Calvins stehen (wie die Bilder zu Karl Barth, dem bedeutenden protestantischen Theologen), zeigen, dass der Reformator nicht nur in der Literatur und im religiösen Denken, wo er hauptsächlich gewirkt hat, eine Quelle der Inspiration bleibt, sondern auch in der Kunst, also in jenem Bereich, den man eher in Gegensatz zum Calvinismus stellen würde.

 Rund um die Ausstellung

Protestants en fête - Die Protestanten feiern (31.10 /02.11.2009): 

  • Freitag 31. Oktober: Führungen durch die Ausstellung, mit Voranmeldung
  • außerordentliche Öffnung zwischen 12 und 19 Uhr Freitag bis Sonntag

Vorträge:

  • 31.10.2009 um 18 Uhr: Calvins Denken nach seiner Insitutio, Marc Vial (Protestantische Theologische Fakultät)
  • 25.11.2009 um 18 Uhr: Calvin und das Psalmsingen, Beat Föllmi (Protestantische Theologische Fakultät)
  • 07.12.2009 um 18 Uhr: Calvins Aktualität, Matthieu Arnold Protestantische Theologische Fakultät)
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