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Das Buch in den Händen der Künstler

Entrée libre
BNU - Salle d'exposition

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Das Buch in den Händen der Künstler

16/11/2005 - 1/2/2006

Das Buch ist ein traditionelles Medium unter vielen. Regelmäßig wird vom Tod des Buches gesprochen, das neuen Trägern von Bild und Text, wie Platte, Video oder Informatik, weichen müsse. Welchen Platz nimmt das Künstlerbuch in dieser Debatte ein? Worin besteht es, wo befindet es sich, wie soll man es betrachten, wie erwerben, was damit anfangen...? Zahlreiche Fragen stellen sich im Zusammenhang mit dieser Kategorie von Kunstwerk, die direkt aus den großen Umwälzungen seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden ist und den Status des Künstlers sowie die Natur seines Schaffens tiefgreifend verändert hat.

Der Platz, den die poetische oder theoretische Sprache innerhalb der zeitgenössischen Kunst einnimmt, ist also erheblich. Marcel Duchamp ganz zu Beginn des letzten Jahrhunderts, die Fluxus-Bewegung und die Konzeptkünstler in den fünfziger Jahren, sie haben eine Bresche in die klassische Dualität von Idee und Form, von Beinhaltendem und Inhalt geschlagen, indem sie vorgeschlagen haben, dass das "Konzept" zur Konstituierung eines Kunstwerkes ausreiche, womit sie gleichzeitig die Grenze zwischen Kunst und Leben aufgehoben haben. In diesem Kontext erscheint das Buch als unverzichtbares Instrument, um die Aussagen des Künstlers aufzunehmen und wirksam werden zu lassen.

Jede Definition ist jedoch risikoreich, weil sie stets ausgrenzt; und wir wissen, dass Kunst heute nicht mehr klassifiziert, kategorisiert, etikettiert werden will. Im Hinblick auf die Ausstellung haben wir dennoch eine allgemein gültige Definition verwendet, gleichzeitig aber vermieden, dass jene Werke systematisch ausgegrenzt werden, die einer mehr allgemeinen Definition entsprechen bzw. die mehr in den Bereich des Bibliophilen oder der Kunstbücher gehören.
Das Künstlerbuch ist kein Kunstbuch (in dem Sinn, dass Bilder und Text in angenehmer Weise zusammengestellt werden).
Es handelt sich auch um kein Buchobjekt, das uns über den angeblichen Verlust des traditionellen Buches hinwegtrösten soll.
Das Künstlerbuch ist selber ein Kunstwerk im eigentlichen Sinne. Man könnte es als originelle (einzige oder multiple) Schöpfung beschreiben, in der das Zusammenstellen, durch welches Elemente wie Texte und Bilder oder weitere plastische Elemente zu einer Einheit zusammenfügt werden, selbst zum Gegenstand einer in sich logischen künstlerischen Suche geworden ist, die im Endobjekt aufscheint.

Die Ausstellung zeigt einen Überblick über die Künstlerbücher aus den Beständen von Straßburger Bibliotheken, den Sammlungen des MAMCS und der Frac Alsace sowie Werke von Künstlern aus der Region, für die das Buch gegenwärtig eine wichtige Rolle in ihrem Schaffen einnimmt. Weshalb hat der Künstler dieses Medium gewählt? Was bezweckt er damit?
Beim Gang durch die Ausstellung kann sich der Besucher die Frage stellen, ob die Form des traditionellen Buches (mit Seiten, mit einer chronologischen Abfolge beispielsweise) für die Existenz des Buches von Bedeutung sei, ob sie ausreichend sei, ob sie den Absichten des Künstlers überhaupt entspreche (in positiver Weise oder aber als Ausgangspunkt, um zu ganz anderen Aussagen zu gelangen)...
Handelt es sich nicht ganz einfach um ein Kunstwerk, das man entdeckt, mit seiner Eigenheit als Buch, aber vor allem mit seinem Sinn, seinen Geheimnissen, seiner Poesie, seiner Freiheit?

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