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Die Welt der Brüder Albert und Adolphe Matthis: Straßburg und das Elsass von 1890 bis 1940

Entrée libre
BNU - Salle d'exposition

Catalogue de l'exposition : 152 p.,20 €

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Die Welt der Brüder Albert und Adolphe Matthis: Straßburg und das Elsass von 1890 bis 1940

5/4/2006 - 17/6/2006

 

Mit der vom 5. April bis zum 17. Juni 2006 dauernden Ausstellung Die Welt der Brüder Albert und Adolphe Matthis: Straßburg und das Elsass von 1890 bis 1940 lässt die National- und Universitätsbibliothek Straßburg im dichterischen Werk dieses Brüderpaars fünf Jahrzehnte der Stadt Straßburg, ja des ganzen Elsass aufleben.

Die beiden Dichter sind heute unter den Nicht-Elsässisch-Sprechenden kaum bekannt. Eine Brücke über die Ill trägt ihren Namen, an einem Haus im Quartier Finkwiller ist eine Tafel angebracht. Doch Albert (1874-1930) und Adolphe (1874-1944) Matthis waren zwei brillante Verteidiger der elsässischen Kultur und des Straßburger Dialekts. Ihr dichterisches Werk ist sowohl im Hinblick auf die sprachliche Eigenheit als auch wegen ihres nostalgischen Charakters von höchstem Interesse.

Ins Zentrum der Ausstellung stehen die Archive der Brüder Matthis, die von Professor Albert Schlagdenhauffen der BNU hinterlassen worden sind. Manuskripte von Gedichten, Briefwechsel, Erstdrucke ihrer Werke sowie zahlreiche private Fotos und persönliche Objekte eröffnen einen Blick in die Welt der beiden Künstler. Der Generalkurator der Ausstellung, François Petry, Konservator der DRAC Alsace mit dem Auftrag Ethnologie und Erinnerungskultur, lässt die Atmosphäre ihrer Gedichte wiederaufleben, indem er sie Fotografien und Bildern zeitgenössischer Maler gegenüberstellt. So kann der Besucher die Werke von Lothar von Seebach entdecken, der dank Leihgaben aus privaten Sammlungen stark vertreten ist.

Die Brüder Matthis dichteten zu einem besonderen Zeitpunkt: im Elsass der "Belle Epoque", als das Elsass und das Elsässische Gegenstand erregter Debatten wurden. In Straßburg herrschte damals ein bedeutender literarischer und künstlerischer Aufbruch, wie ihn die Stadt nie gekannt hatte. In jenen Jahren fanden auch tiefgreifende soziale und wirtschaftliche Veränderungen statt. Die Brüder Matthis waren nicht bloß Zeugen dieser Epoche, sie waren selber Akteure. Im Stadtteil Finkwiller und Petite France befand sich der Schwerpunkt ihres Wirkungskreises. Deshalb übernehmen sie in ihren Gedichten die Ausdrucksweise der einfachen Leute und beschäftigen sich mit volkstümlichen Vergnügungen: Gegenüber der Gedeckten Brücken beginnt ja schon das Hinterland, alle Welt rudert auf der Ill, spaziert am Kanal entlang oder setzt zur Fischerinsel über. Die engen Kontakte der Brüder Matthis mit der Gruppe der Maler von Sankt-Nikolaus (Achener, Beecke, Blumer, Braunagel, Haas, Ritleng, Schneider, usw.) zeigen sich in den ausgestellten Bildern, die gewissermaßen unter den Augen der beiden Dichter entstanden sind.

Diese Ausstellung erlaubt es der BNU, ihre eigene, reichhaltige Sammlung von Dokumenten über das Elsass zusammen mit Leihgaben Privater sowie des Straßburger Museums für moderne und zeitgenössische Kunst auszustellen. Sie fällt glücklicherweise mit dem Erscheinen des Sammlelbandes Ziwwelbaamholz (Zwiebelbaumholz) im Verlag Arfuyen zusammen. Er wurde von Gaston Jung ins Französische (Bois d'oignons) übersetzt und hat den Kulturpreis Nathan Katz erhalten. Lesungen, Begegnungen und Vorträge rund um die Übersetzung ergänzen die Veranstaltung. Es werden zudem Führungen durch die Ausstellung veranstaltet.

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