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Agenda

Ens Infinitum, In der Schule des heiligen Franz von Assisi

Salle d'exposition de la BNU (2e étage)
6, place de la République

Entrée libre

Horaires d'ouverture :
Lundi : 14h-18h
Mardi - samedi : 12h-18h
Fermé les dimanches et jours fériés

Visites guidées pour groupes et sur inscriptions. Se renseigner au 03 88 25 28 00 ou écrire à contact@bnu.fr

Commissaires de l'exposition :
Claude Coulot, professeur à l'Université de Strasbourg
Franck Storne, responsable des sciences religieuses à la BNU

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Ens Infinitum, In der Schule des heiligen Franz von Assisi

19/3/2009 - 30/4/2009

Inhalt der Ausstellung

Die Ausstellung Ens Infinitum, In der Schule des heiligen Franz von Assisi, wird zu einem Zeitpunkt durchgeführt, wo zahlreiche Ereignisse im Zusammenhang mit dem Verständnis, dem Studium und der Verbreitung des franziskanischen Denkens stattfinden. So wurde 2008 eine neue Übersetzung franziskanischer Quellen herausgegeben, mit einem ausführlichen Kommentar und mit mehreren Standartwerken zur Geschichte der Franziskaner, die ein besseres Verständnis des Ordens ermöglichen sollen. Im März 2009 findet an der Philosophischen Fakultät der Universität Straßburg ein Internationales Symposium zur Nachwirkung von Duns Scotus, einem der bedeutendsten franziskanischen Theologen, statt. Dieses Symposium bildet den Abschluss eines Zyklus, der in New York begonnen hat und dann in Oxford, Bonn und Köln weitergeführt wurde. Im Jahr 2009 jährt sich zum hundertsten Mal die erneute Niederlassung der Franziskaner im Elsass. Schließlich wird 2009 auch der 800. Jahrestag der Zulassung des Franziskanerordens durch Papst Innozenz III. begangen, wodurch die Ordensgründung ihre Anerkennung gefunden hat.
Als wichtigste französische Bibliothek im Bereich Religionswissenschaft erhielt die BNU vor kurzem ein Depositum von über 20'000 Dokumenten, die aus Klöstern der franziskanischen Ordensprovinz der „Trois compagnons“ stammen; hinzu kommt als Geschenk das Archiv des Theologen Paul Sabatier. Damit ist die BNU zu einem zentralen Ort für die franziskanischen Studien geworden und kann so mit der Ausstellung Ens Infinitum, In der Schule des heiligen Franz von Assisi, 150 seltene Objekte zum ersten Mal dem Publikum zugänglich machen: darunter besonders prachtvoll illuminierte Handschriften oder die drei noch nie veröffentlichten Bilder von Maurice Denis.
Mehr zumFranziskaner-Archiv der BNU...
Einige Links über Franziskanische Studien...

Übersicht über die Ausstellung

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Die franziskanischen Quellen

Die ursprünglichen Quellen zur franziskanischen Tradition können in zwei Haupttypen eingeteilt werden, die verschiedene Aspekte der Person des heiligen Franz von Assisi aufzeigen: seine Schriften einerseits und die Viten und Heiligenlegenden andererseits.
Die Schriften des Franz von Assisi geben Aufschlüsse über die Persönlichkeit, das Denken und die Spiritualität des Ordensgründers. Eine wichtige Schrift wie sein Testament wurde als eine Art Regel verstanden und ausgelegt, so von einigen Gläubigen, die nach größerer Radikalität der Lebensführung strebten, was zur Gründung verschiedener Richtungen innerhalb der franziskanischen Bewegung geführt hat.
Die Viten und Legenden beschreiben das Leben und das Werk des Franz von Assisi auf ihre eigene Weise. Diese Schriften zeichnen eine große Vielfalt von Porträts des Heiligen, je nach dem Verständnis ihrer Verfasser.

Der heilige Franz von Assisi (1181/2–1226)

Der Sohn eines reichen Tuchhändlers hatte als junger Mann große Pläne, er wollte Ritter oder sogar Prinz werden. Doch diese Träume fanden ein jähes Ende, als er im Krieg zwischen seiner Heimatstadt Assisi und Perugia in Gefangenschaft geriet und krank aus dem Kerker zurückkam. In dieser Situation überkam ihn ein starkes Bedürfnis nach Gebet und Einsamkeit. Er begab sich in Gesellschaft von Aussätzigen, deren Anblick ihm früher unerträglich gewesen war. Als er eines Tages in der Kapelle San Damiano betete, hörte er die Stimme Christi, die ihn aufforderte, die eingestürzte Kapelle wieder herzurichten. Eigenhändig reparierte er im Jahr 1206 verschiedene Kirchen. 1208 hörte er während der Messe das Evangelium von der Aussendung der Jünger und der Ermahnung, weder Gold noch Silber anzunehmen: Das war für Franziskus die Offenbarung seiner Berufung. Dem Beispiel Christi folgend, wählte er die Armut als Weg des Friedens und der Brüderlichkeit. Hunderte von Menschen folgten ihm in seinem Werk der Evangelisierung, er selbst trug seine Botschaft bis nach Ägypten und Palästina. 1221 verfasste er eine erste Regel, eine zweite folgte 1223. Er starb 1226 und hinterließ sein Testament, einen der bedeutendsten Texte für die Franziskaner. 1228 wurde er heilig gesprochen.

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Die Entwicklung des franziskanischen Denkens

Seit dem 13. Jahrhundert und dem Beginn der franziskanischen Bewegung gab es unter den ersten Franziskanern bedeutende Philosophen, Theologen und Gelehrte, welche dieses Gedankengut weiterentwickelten: Bonaventura von Bagnoregio, Petrus Johannis Olivi, Roger Bacon, Antonius von Padua, Wilhelm von Ockham u.a. Es kam innerhalb des Ordens zu zahlreichen Auseinandersetzungen, vor allem über die Frage der Armut, der Bildung oder der kanonischen Texte, und es entstanden verschiedene Gemeinschaften: die Klarissinnen, der Dritte Orden usw.
Die Ausstellung interessiert sich im besonderen für die Person und das Nachwirken des Duns Scotus, dessen Werk das franziskanische Denken maßgebend beeinflusst hat und die Forscher weiterhin beschäftigt.

Johannes Duns Scot (1265/6-1308)

Der im schottischen Duns geborene Johannes Duns Scotus ist einer der bedeutendsten Theologen seiner Epoche, wenn man auch von seinem Leben kaum mehr weiß, als dass er 1308 in Köln gestorben ist, wo er Lektor war, nachdem er zuvor in Oxford (um 1300) und in Paris (1302 bis 1307) gelehrt hatte. Als Vertreter der traditionellen franziskanischen Lehre war er ein eifriger Verfechter der zentralen Lehrmeinungen seines Ordens (Christozentrismus, Vorrang des Willens über den Verstand, Verteidiger der Unbefleckten Empfängnis) und ein Gegner Thomas von Aquins. Sein Kommentar zu den Sentenzen gilt als sein Meisterwerk; es übte einen erheblichen Einfluss auf alle folgenden Denker aus. Er wurde 1993 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

Predigt und Evangelisierung

Franz von Assisi schickte seine Brüder aus, um Buße zu predigen, nach Italien zuerst, dann in ganz Europa und bis nach Ägypten und Palästina, wohin er sich auch selber reiste. Dort begegnete er während des fünften Kreuzzuges im Jahr 1219 Sultan Al-Kamil, der ihm erlaubte, seinen Untertanen zu predigten; allerdings gelang es ihm nicht, den Sultan zu bekehren. Der missionarische Aspekt der franziskanischen Tradition wird anhand der Person des Antonius von Padua dargestellt, dieses berühmten Predigers, dessen Predigten veröffentlicht wurden, sowie anhand der Niederlassung der Franziskaner im Elsass während des 13. und 14. Jahrhunderts.

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Die Franziskaner im Elsass

Die franziskanische Präsenz im Elsass beginnt vermutlich mit einer Klostergründung in Hagenau im Jahr 1222, als zwei Edelleute und ein Patrizier der Stadt von einer Gruppe deutscher Prediger aus Augsburg gewonnen werden konnte. Bereits 1233 waren die Franziskaner so zahlreich, dass eine Kustodie gegründet wurde, und 1239 tagte das oberdeutsche Kapitel in Straßburg, was eine noch ältere Niederlassung nahelegt. Durch die geografischen, wirtschaftlichen und religiösen Bedingungen begünstigt, gründeten die Franziskaner weitere Niederlassungen: in Colmar (1246), Rouffach (1250), Wissembourg (1272), Thann (1279), Sélestat (1280), Kaysersberg und Mulhouse (1281). Durch ihre Verbreitung gerieten sie rasch in Konflikt mit anderen Orden, die sich ebenfalls in der Gegend ansässig machen wollten, aber auch mit der städtischen Obrigkeit und dem Weltklerus. Obschon die Franziskaner durchaus auf ein gewisses Echo in der Region stießen, sorgte ihre Anwesenheit manchmal auch für Aufruhr. Der Reformation konnte der Orden kaum standhalten, so dass 1566 nur noch das Kloster von Alspach bewohnt war; die franziskanische Bewegung konnte sich im Elsass nur dank einiger Nonnen im Vallée des Vosges halten. Die Bewegung erhielt erst wieder Auftrieb, als sich die Kapuziner 1603 in Ensisheim und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Umland niederließen.

Epilog: das Sabatier Archiv

Neuen Auftrieb erhielt die Forschung über die Anfänge der franziskanischen Bewegung im Mittelalter am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit den Arbeiten von Paul Sabatier, Professor an der Protestantischen Theologischen Fakultät Straßburg. Ein Teil seines Archivs befindet sich in der BNU bzw. wird dort noch hinterlegt.

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Paul Sabatier (1858-1928)

Sabatier wurde in einem Dorf in der südfranzösischen Ardèche als Sohn eines Pastors geboren. Sehr früh wurde er Zeuge der konfessionellen Gegensätze in seinem Heimatdorf. Nach dem Tod seines Vaters 1877 beginnt er ein Studium an der Protestantischen Theologischen Fakultät in Paris. Dort studiert er bei Auguste Sabatier und hört Vorlesungen bei Ernest Renan am Collège de France. Dieser Unterricht übt einen großen Einfluss auf ihn aus und bereitet ihn auf die Erorschung der franziskanischen Bewegung im 13. Jahrhundert und der Entwicklung der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert vor Er wird Vikar der französischen Gemeinde Saint Nicolas in Straßburg, wo er auch heiratet. Doch die deutschen Behörden weisen ihn aus, und er kehrt in die Ardèche zurück. Da er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Pastor tätig sein kann, wendet er sich der Forschung zu. Er veröffentlicht 1893 das „Leben des heiligen Franziskus“, das ein beachtliches Echo findet, zunächst in Frankreich, dann aber auch im Ausland, vor allem in Italien, so dass er sogar Ehrenbürger von Assisi wird. Es folgt „Die religiöse Orientierung im heutigen Frankreich“, also der Periode vor dem Ersten Weltkrieg, ein Werk, das den Platz der Kirche innerhalb einer Gesellschaft auf dem Weg der Laisierung untersucht und verstehen will. Sabatier kehrte 1918 nach Straßburg zurück, wo er Kirchengeschichte unterrichtet.

Maurice Denis und der heilige Franz von Assisi

Im Rahmen der Ausstellung wird ein außergewöhnliches Ensemble von drei Bildern von Maurice Denis (1870-1943) zu sehen sein, das bisher noch gezeigt worden ist. Im Jahr 1910 reist der Maler nach Italien, um die Illustrationen zu den Fioretti des heiligen Franziskus, die 1913 in 79 Farbdarstellungen erscheinen, vorzubereiten. Ganz vom Christentum durchdrungen und beeindruckt von der Verkündigung des Heiligen, macht er sich 1927 anlässlich eines Vortrags zum Thema „Der franziskanische Geist in der Kunst“ für eine Kunst, die sich mit der Natur verbindet, stark. Immer wieder versucht er, die Grundlagen religiöser Kunst zu bestimmen, so vor allem in „Charmes et leçons de l’Italie“ von 1933 (Zauber und Lehre aus Italien), worin er dem Beispiel des Franz von Assisi folgt: „Ich habe gesagt, dass die wahre Naivität, welche dem Künstler die größte Empfänglichkeit, Einfachheit und Liebe zur Natur verleiht, für lange Zeit und auch heute noch das herausragende Instrument für christliche Kunst darstellt. Ich möchte folgendes hinzufügen: Die Kunst im allgemeinen, und nicht bloß die christliche Kunst allein, hat Anteil an der religiösen Grundhaltung des Menschen, und genauso an der brüderlichen Liebe, die er für den Menschen und die Natur, diese Tochter Gottes, empfinden muss. Diese letzte Lehre will ich vom heiligen Franziskus erfragen.“

Die ausgestellten Bilder sind „Christus und Bruder Johannes im Wald beim Alverne“, „Aufstieg auf den Alverne oder der heilige Franziskus wird von den Dämonen belagert“ und „Der heilige Franziskus segnet Assisi“.

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Kulturelle Veranstaltungen

VORTRAG
Mittwoch 25. März // 18 Uhr
Paul Sabatier, 1858-1928
von Maurice Causse

MUSIKALISCHER VORTRAG
Samstag 28. März // 18 Uhr
Saint François d'Assise, von Olivier Messiaen
von Maître Oster

VORTRAG
Mittwoch 1. April // 18 Uhr
Die franziskanischen Theologen, die sich nicht einstufen lassen
Studien und Studenten in der französischen Franziskanerprovinz Paris, 16.-17. Jahrhundert
von Pierre Moracchini, Franziskanerbibliothek der Kapuziner, Paris

Mittwoch 29. April // 18 Uhr
Der Einfluss von Franz von Assisi auf die franziskanischen Meister des Mittelalters
von Thaddée Matura

KONZERT
Mittwoch 15. April // 18 Uhr
Murmeln aus dem Garten der Franziskaner, Elsässische Fioretti des Schüler des Franz von Assisi
Lesung/Konzert mit Leier-Begleitung: Entdecken Sie die spirituelle Literatur der Franziskaner, die einst in der Rheinebene und in Flandern verbreitet war.
Die Veranstaltung wird im Rahmen der Reihe „Le Rhin mystique“, durchgeführt, welche die Diözese Straßburg und das Centre Emmanuel Mounier organisieren.

Donnerstag 30. April // 20.30 Uhr // Katholische Kirche Saint Pierre le Jeune
Gregorianische Gesänge

Katalog

Der von den Presses Universitaires de Strasbourg herausgegebene Ausstellungskatalog beschränkt sich nicht auf die Abbildung der Objekte und ihre Beschreibung, sondern vertieft die Themen der Ausstellung: Darstellung von Franz von Assisi und seiner religiösen Erfahrung sowie den Legenden, die er ausgelöst hat; Analyse der Gründung des Franziskanerordens; die Entwicklung des franziskanischen Denkens und die Darstellung einiger franziskanischen Denker wie Bonaventura, Petrus Johannis Olivi, Roger Bacon, Duns Scotus; ein Porträt des bedeutendsten franziskanischen Predigers Antonius von Padua; ein Beitrag zur Präsenz und Architektur der Franziskaner im Elsass; eine Studie über das Vermächtnis von Paul Sabatier.

Ens infinitum, In der Schule des heiligen Franz von Assisi will einen vollständigen Überblick über das franziskanische Denken geben, von seinen Ursprüngen bis heute, von den ersten Denkern bis in die Gegenwart, von Assisi bis ins Elsass, und damit dessen Originalität, dessen Größe, Kraft und Aktualität würdigen.

http://www.pu-strasbourg.com

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