BNU

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Agenda

In Papiergewittern

Salle d'exposition de la BNU (2e étage)
6, place de la République
Entrée libre

Exposition bilingue français/allemand

Horaires d'ouverture :
Lundi : 14h – 18h
Mardi-samedi : 12h – 18h
Fermé le dimanche

Visite guidée de l'expo :
Pour groupes et uniquement sur inscription les mardis, jeudis et samedis (sauf fériés). Informations à l'accueil de l'exposition ou au 03 88 25 28 17 ou à contact@bnu.fr

Catalogue de l'exposition : 248 pages, 35 euros

Télécharger le dossier de presse

In Papiergewittern

12/11/2008 - 31/1/2009

Zwischen 1914 und 1918 wird so viel über den Krieg gelesen, geschrieben und gezeichnet wie niemals zuvor. Diese Medienflut kann als eigentliches „Papiergewitter“ bezeichnet werden, so wie das „Stahlgewitter“ der verfeindeten Armeen. Schlachten, Siege, Niederlagen, aber auch das Alltagsleben an der Front werden thematisiert, um damit die eigene Moral zu stärken und um den Gegner zu schwächen. Flugblätter, Plakate, Fotografien und andere Dokumente dienen als eigentliche Kriegswaffe. Solche Zeugnisse wurden bald auch gesammelt. Solche „Kriegssammlungen“ zeigen die Vielfalt der Mittel, die eingesetzt wurden, um auf und außerhalb des Schlachtfeldes siegreich zu sein, und sie geben uns einen Eindruck, wie der Krieg damals von den Zeitgenossen wahrgenommen wurde.

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Die Ausstellung widmet sich dem Mediensturm des Ersten Weltkrieges als dem Spiegel einer Epoche, wo Medien, Propaganda und Siegeshoffnung sich vermischen. „Orages de papier / In Papiergewittern“ zeigt die Kriegssammlungen der National- und Universitätsbibliothek Straßburg, der Württenbergischen Landesbibliothek Stuttgart, der Bibliothèque nationale de France und der Bibliothèque de documentation internationale contemporaine. Alle vier Institutionen besitzen repräsentative Sammlungen auf diesem Gebiet in deutscher bzw. französischer Sprache.

Das Projekt und seine Entstehung

Die Idee zu diesem Projekt entstand 2003, als in der BNU eine bedeutende Sammlung zum Ersten Weltkrieg entdeckt wurde, darunter wichtige Dokumente wie Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, Schützengrabenzeitungen, Plakate, Flugblätter, Propagandaschriften, Lebensmittelmarken, Bilddarstellungen. Diese von der deutschen Bibliotheksverwaltung angelegte Sammlung geriet nach 1918 in Vergessenheit, mit Ausnahme der Bücher und Zeitungen, die in die normalen Bestände eingegliedert wurden.

Zu der Sammlung kam es folgendermaßen: So wie in den anderen damaligen großen deutschen Landesbibliotheken auch gab der Direktor der Kaiserlichen Universitäts- und Landesbibliothek zu Straßburg (der ursprüngliche Name der BNU) im August 1914 eine Direktive heraus, wonach seine Bibliothek alle Dokumente über den Krieg sammeln solle, zumindest für den Frontabschnitt West. Diese Initiative war nicht die einzige ihrer Art in Deutschland. Sehr früh war man sich nämlich der Besonderheit dieses Krieges bewusst, aber auch der Notwendigkeit, ihn so genau wie möglich zu dokumentieren, um zukünftigen Historikern die nötigen Dokumente zu liefern. So zählte 1917 eine Studie insgesamt 217 öffentliche und private Institutionen, die solche Sammlungen anlegten

Natürlich war man sich auch in Frankreich der besonderen Situation bewusst, doch im Gegensatz zu Deutschland gab es hier keine allgemeine Sammlertätigkeit in den Bibliotheken. Zwei große Bibliotheken legten eine Kriegssammlung an: die Nationalbibliothek und die Stadtbibliothek in Lyon. Unter den privaten Initiativen sticht die Sammlung des Ehepaars Leblanc hervor, die 1917 dem Staat vermacht wurde und die den Grundstock der Bibliothèque de documentation internationale contemporaine (BDIC) bildet.

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Wissenschaftliche Zielsetzungen

Der Rahmen und die Aussage der Ausstellung sind durch die Natur der Dokumente selbst vorgegeben. Es handelt sich nicht um eine allgemeine Ausstellung über den Ersten Weltkrieg, sondern es geht um die mediale Flut, die der Krieg hervorgebracht hat. Tatsächlich ist der Erste Weltkrieg der erste Medienkrieg im modernen Sinn des Wortes: Zeitungen, Plakate, Fotografien, Film (der erstmals zur Dokumentation eines bewaffnetet Konflikts eingesetzt wurde) zeugen von der Bedeutung der Medien, sei es als Verbindung zwischen der Front und zu Hause (Fotografie, Film), sei an der Front selber, (Schützengrabenzeitungen) oder innerhalb der Gesellschaft (beispielsweise die Werbeplakate zur Zeichnung von Kriegsanleihen). Diese neuen Medien schritten auch zur Tat (so warfen Flugzeuge massenweise Flugblätter über dem feindlichen Lager ab, um den Feind zu demoralisieren) und wurden so zu einem eigentlichen Kriegsteilnehmer. Die Deutschen hatten deshalb den Eindruck, nicht bloß durch die Waffen besiegt worden zu sein, sondern auch durch etwas, was man damals noch nicht Medien nannte: Gleich nach dem Krieg sprach man jenseits des Rheins vom „papiernen Trommelfeuer“ zur Bezeichnung der feindlichen Propaganda.
Trotz der äußerlich sehr unterschiedlichen Dokumente durchzieht ein Thema als roter Faden die Ausstellung: die Beziehung zum Begriff der Mediatisierung. Es war gerade diese für die damalige Zeit völlig neuartige Inflation von Wort und Bild innerhalb des Konflikts, welche die Sammlungen von Bibliotheken und Privaten legitimierte. Alle in den Kriegssammlungen aufbewahrten Dokumententypen zeugen von dieser neuartigen Mediatisierung: Der Krieg wird gelesen, geschrieben, gezeichnet und betrachtet wie niemals zuvor. Die Ausstellung zeigt einerseits die Fülle der verschiedenen Dokumententypen, die in den Bibliotheken vorhanden sind, und andererseits ihre Verwendung innerhalb eines in hohem Maße mediatisierten Konfliktes.

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Digitalisierung der Schützengrabenzeitungen

Anlässlich der Ausstellung „In Papiergewittern“ hat die BNU, mit Unterstützung der BnF, insgesamt elf Zeitungen von der deutschen Front im Ersten Weltkrieg aus dem Gebiet der Vogesen digitalisiert. Diese Zeitungen können unter folgendem Link eingesehen werden:
Schützengrabenzeitungen
Für weiterführende Informationen zu den Frontzeitungen lesen Sie den Artikel, den ein Konservator der BNU zu diesem Thema verfasst hat: Krieg der Worte, Krieg der Erinnerung: die Presse aus der deutschen Front im Ersten Weltkrieg (klicken Sie auf den Link oben).

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Kulturelle Veranstaltungen

Filmvorführung
Samstag 15. November // 18.30 Uhr
Videofilm „Krieg ohne Gesicht“. Der Film wurde 2007 von der Vereinigung Rodéo d’âme anlässlich einer ersten Runde von Künstlertreffen zum Ersten Weltkrieg und gegen das Vergessen geschaffen. Nach der Vorführung findet ein Treffen mit dem Filmteam statt. Aufgrund des großen Interesses an dem Thema im vergangenen Jahr organisiert Rodéo d’âme eine zweite Gesprächsrunde, die vom 24. Oktober bis zum 23. November 2008 stattfindet.
 ? Einzelheiten zu den Veranstaltungen Mémoires Vivantes unter: http://rodeodame.free.fr/ /

Begegnungen
Mardi 18 novembre // 18h30
Lesung und Diskussion rund um das Buch Carnet de rencontre Mémoires vivantes, das alle Beiträge der Künstlertreffen und Diskussionen enthält, die Rodéo d’âme zwischen November 2007 und Januar 2008 durchgeführt hat.
Weitere Informationen unter:http://rodeodame.free.fr

Musik
Samstag 22. November // 18.00 Uhr
Der Verein La Manivelle, ein Duo mit Liselotte Hamm und Jean-Marie Hummel, interpretiert „Klassiker“ der Epoche, unter anderem patriotische Lieder auf Französisch, Deutsch und Elsässisch. Mit Humor, Können und Kenntnis verstehen sie es seit über dreißig Jahren, die gemeinsame Kultur der beiden Länder durch ihre Geschichte, Musik und Dichtung lebendig werden zu lassen...
Weitere Informationen unter: http://lamanivelle.org/pages/spe_adieu-la-guerre.php

Vorträge

  • Freitag 28. November // 18.00 Uhr
    Die Entwicklung der filmischen Darstellung des Ersten Weltkrieges bis heute, von Laurent Véray, Koregisseur von Die Kameramänner von Verdun (frz. Titel: L’Héroïque cinématographe) und Professor an der Université de Paris X-Nanterre.
  • Freitag 5. Dezember // 18.00 Uhr
    Ein Verteidigungskrieg? Die deutsche Propaganda im Bild, von Gerd Krumeich, Professor an der Universität Heinrich-Heine Düsseldorf.
  • Samstag 13. Dezember // 18.00 Uhr
    Feder und Gewehr: über den Ersten Weltkrieg schreiben (Frankreich – Deutschland), von Nicolas Beaupré, Maître de conférences an der Université Clermont-Ferrand II.

Internet
Dem Ersten Weltkrieg widmet sich auch das Internetportal zur Geschichte auf ARTE Histoire.

Katalog

Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erhältlich, der zusammen mit den Editions d’Art Somogy (Paris) herausgegeben wird. Angesichts des Themas und der Partnerinstitute ist zudem eine deutsche Version im Flammarion Verlag erhältlich. Die wissenschaftliche Betreuung und die Leitung liegt bei Christophe Didier, Konservator der BNU und Ausstellungskurator. Der erste Teil enthält allgemeine Beiträge zu den Kriegssammlungen der Bibliotheken. Dann werden die verschiedenen Themen der Ausstellung behandelt, mit zusätzlichen Ergänzungen zu einzelnen Aspekten wie beispielsweise die Mobilisation der Zivilbevölkerung in Straßburg oder die Ereignisse im November 1918 im Elsass. Der Katalog schließt mit einem Text von Alfred Döblin (1878-1957, Verfasser der Romans Berlin Alexanderplatz), der bisher noch nicht auf Französisch zugänglich war. Der eindrückliche Text wurde zwischen dem 9. und 14. November 1918, in den Tagen der Revolution im Elsass geschrieben. Der Autor, der damals Militärarzt in Haguenau, beschreibt seine persönlichen Eindrücke und die Reaktionen seiner Umgebung angesichts der Abdankung von Wilhelm II., des Kriegsendes und der Unruhen in der kleinen Stadt H. (Haguenau).

Orages de papier // In Papiergewittern 1914-1918
Les collections de guerre des bibliothèques // Kriegssammlungen der Bibliotheken
248 Seiten, 200 Illustrationen
24,6 x 28 cm
35 Euro
gebunden
Mitherausgegeben von Somogy – Editions d'art

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