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Juli 2011: Bericht von zwei ''Propheten" in Straßburg

Der exakte und vollständige Titel dieses in einem weltweit einzigen Exemplar vorhanden Druckes (Unikat) lautet: Kurtze Erzehlung Der Wunder vor Einbrechung des Juengsten Tages, Nebst Einem Bericht von zwey Propheten aus Galilaea, Welche in Strassburg die Leute zur Busse vermahnet, und den Juengsten Tag verkuendiget / Zur Warnung aller Christen beschrieben
Bis heute ist sein Autor unbekannt. Das Werk wurde 1734 in Straßburg gedruckt (der Vermerk lautet: "Gedruckt in diesem Jahr 1734").
Es handelt sich um zwei Folio im sogenannten in-quarto-Format (in-4°), die mit weiteren Werken zusammengebunden wurden.

Das Titelblatt enthält einen schönen Holzschnitt, der die beiden Propheten mit Heiligenschein und barfuß im Gespräch zeigt.

Deux prophètes à StrasbourgDeux prophètes à Strasbourg

Dieser aus zwei recto-verso beschriebenen Blättern bestehende Text erzählt vom Auftreten zweier „Propheten“ in Straßburg im Jahr 1734 und warnt vor dem Nahen des Weltuntergangs, der durch den Zusammenstoß von Sonne, Erde und Mond verursacht werde. Der Holzschnitt zeigt die beiden Männer aus Galiläa in ihrer Kleidung genau so, wie sie der Text beschreibt: ein ungenähtes Gewand, ein Heiligenschein um den Kopf, die langen seidenen Bärte. Das merkwürdige Ereignis muss in der Stadt viel Staub aufgewirbelt haben. Jedenfalls verschwanden die beiden Männer rasch, ohne eine Spur zu hinterlassen. Und ihre Prophezeiung hat sich natürlich nicht erfüllt.

Anscheinend hat sie der Rat der Stadt festnehmen lassen; darauf sollen Geistliche sie untersucht haben, um die Ursache ihres Benehmens herauszufinden: eine Krankheit etwa? Nein, ein „innerer Drang“ hätte sie von Galiläa bis nach Straßburg getrieben, mühelos und fast ohne Brot und Wasser.

Ihre Vorhersage stützte sich im Übrigen – so heißt es – auf das häufige Auftreten von Nordlichtern („Nordschein“ im Text), auf umherstreifende Vagabunden, die von fliehenden Völkern kündigten, auf ein Erdbeben in Italien und ein anderes in Chili, auf Überschwemmungen in der Nähe von Frankfurt am Main, auf ein furchtbares Unwetter und einen Hagelschlag in Würzburg, auf eine Feuersbrunst in Schlettau (Sachsen), wo 36 Häuser verbrannt seien, und so weiter. Der moralische Verfall hätte seinen Höhepunkt erreicht: durch die Falschheit des Menschen, seine Bosheit, seinen Egoismus, und – immer nach der Meinung des Verfassers – die Menschen würden sich benehmen "wie das dumme Vieh".


Es handelt sich bei diesem Text, der anonym ohne jede Druckerangabe erschien, um eine "Flugschrift" oder eine "Propaganda-Schrift" zur Erbauung der Leser.
Am Ende stehen vier Verse mit je fünfzehn Silben, die den Leser zur Buße aufrufen.
In keinem anderen Bibliothekskatalog der Welt findet sich ein weiteres Exemplar dieser Schrift.

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