BNU

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Kulturgüter

Die National- und Universitätsbibliothek Straßburg ist hinsichtlich der umfangreichen Sammlung von Kulturgütern die zweitwichtigste französische Bibliothek und im Bereich  Hochschule und Forschung die wichtigste. Zu den "Kulturgütern" zählen verschiedene Sammlungen:

  • Veröffentlichungen vor 1920: ihr Bestand wird auf 1,1 Millionen Dokumente geschätzt;
  • Manuskripte;
  • ägyptologische Sammlung;
  • ikonografische und kartografische Sammlungen;
  • Sammlungen von Münzen und Medaillen;
  • Spezialarchive von Privatpersonen. 

Diese Sammlungen sind von der Heimausleihe ausgenommen und die Benutzung kann bestimmten Regeln unterliegen.

Der Reichtum der Kulturgütersammlung der BNU beginnt mit der Bibliotheksgründung 1871, als Karl August Barack nach dem verheerenden Bibibliotheksbrand im August 1870 zu einer großangelegten Spendenaktion aufrief und die Bibliothek bedeutende Anschaffungen tätigte. Da die Sammlung 1871 wieder neu aufgebaut werden mußte, findet man in den Sammlungen der BNU keine historischen Schichten über kulturelle und wissenschaftliche Aktivitäten in Straßburg und im Elsass, so wie dies in anderen großen Bibliotheken der Fall ist. Die Bemühungen, wieder einen bedeutenden alten Bestand zusammenzustellen, äußerten sich nicht nur durch den Kauf einzelner Werke, sondern auch durch die Anschaffung ganzer Sammlungen. Ein bezeichnendes Beispiel ist der Kauf der Bibliothek des Straßburger Druckers und Buchhändlers Frédéric-Charles Heitz seit 1871.

Die BNU, damals "Kaiserliche Universitäts- und Landesbibliothek", beherbergt wissenschaftliche Bestände der früheren "Kaiserlichen Universität zu Straßburg". Alle großen Wissensgebiete sind darin vertreten. Diese Sammlungen sind einzigartig in Frankreich und bilden eine eigentliche Momentaufnahme der deutschen Wissenschaft des goldenen Zeitalters, im 19. und Anfang 20. Jahrhundert. Aufgrund der kriegsbedingten Zerstörungen im 20. Jahrhundert verbundenen Zerstörungen sind zahlreiche Dokumente in den deutschen Sammlungen nur noch in Straßburg vorhanden.

Die Kulturgütersammlung wird jährlich durch Erwerbungen, Schenkungen oder Deposita um einzelne Werke oder ganze Sammlungen ergänzt. Die aktuelle Erwerbungspolitik von Kulturgütern konzentriert sich auf vier  Hauptbereiche:

  • Bestandesergänzungen mit Dokumenten, die eng mit dem Elsass in Zusammenhang stehen: elsässische Manuskripte, im Elsass veröffentlichte Bücher (einschließlich Inkunabeln), Plakate von Ereignissen im Elsass, Porträts von elsässischen Persönlichkeiten usw.;
  • Sicherung des zukünftigen elsässischen Kulturgutes: Manuskripte zeitgenössischer elsässischer Autoren, Künstlerbücher;
  • punktuelle Erweiterung der bisherigen bestehenden Sammlungen;
  • Erweiterung der Exzellenz-Fachgebiete der BNU.

Papyri

Die Sammlung der antiken Dokumente besteht hauptsächlich aus Papyri, umfasst aber auch eine große Anzahl anderer Dokumententypen. Sie wurde seit 1899 auf Initiative von zwei Straßburger Universitätsprofessoren zusammengetragen: Wilhelm Spiegelberg und Richard Reitzenstein. Weitergeführt wurde sie zwischen 1912 und 1914 im Rahmen des deutschen Papyruskartells, deren Leitung die Bibliothek inne hatte. Der Erste Weltkrieg setzte der Erweiterung der Sammlung praktisch ein Ende.

Ostraka

In Ergänzung zu den reichen Beständen an Papyri besitzt die BNU auch Sammlungen von antiken Dokumenten auf anderen Materialien. Dazu gehört in erster Linie eine sehr bedeutende Sammlung von Ostraka, die 4958 schriftliche Dokumente auf Tonscherben, Kalksteinen oder Knochen umfasst. Die Sammlung ist nach Sprachen oder Schriften gegliedert:

Ägyptologie

Da an der Universität Straßburg ein Institut für Ägyptologie angesiedelt war, hat die BNU von Anfang an eine ägyptische Sammlung angelegt. Die Konservatoren haben nicht nur am deutschen Papyruskartell teilgenommen, und es sogar geleitet, sondern auch umfangreiche ägyptologische Sammlungen erworben und sich an der universitären Forschung beteiligt. Die umfangreiche Papyri-Sammlung der BNU zeugt von der Wichtigkeit dieses Fachgebietes.

Manuskripte

Die BNU besitzt eine Manuskriptsammlung von etwa 6900 Dokumenten, die nach dem verheerenden Bibliotheksbrand von 1870, bei dem eines der berühmtesten elsässischen Manuskripte, der Hortus deliciarum, der von Herrad von Landsberg vernichtet wurde, wieder aufgebaut wurde. Dieser Verlust kann natürlich nicht rückgängig gemacht werden. Immerhin führte er zu einer beeindruckenden Spende von Manuskripten aus  verschiedenen Einrichtungen an die Straßburger Bibliothek, die damit einige Prachtstücke ihrer wertvollen Sammlungen erhielt. Bestimmte Manuskripte sind von großer Berühmtheit, wie z. B. das Exemplar der Autobiografie des Mystikers und Mönchs Heinrich Seuse (frz. Henri Suso) aus dem 14. Jahrhundert oder das Faksimile des Hortus deliciarum, das vor dem Bibliotheksbrand von mehreren Gelehrten erstellt wurde und einen Eindruck vom verlorenen Manuskript gibt. Etwa 700 Manuskripte stammen aus dem Mittelalter.

Inkunabeln

Straßburg gehört zu den Städten, in denen der Buchdruck erfunden wurde. Gutenberg lebte in der Stadt, als er an seiner Erfindung arbeitete. Im 15. Jahrhundert gehörte Straßburg zu den wichtigsten Städten des Buchdrucks. Die etwa 2 098 Inkunabeln der BNU zeugen von dieser dynamischen Entwicklung der Wissensverbreitung. Die Sammlung erweitert sich heute durch Erwerbung oder Deposita. Der Katalog der Sammlung ist 1998 im Centre d'études supérieures de la Renaissance erschienen . Er trägt die Bandnummer XIII, 1-2 des Catalogues régionaux des incunables des bibliothèques publiques de France  und wurde von Françoise Zehnacker herausgegeben.

Elsässische Drucke aus dem 16. Jahrhundert

Seit der Gründung der Bibliothek war es immer schon ein Anliegen, eine vollständige Sammlung der im Elsass gedruckten Werke zusammenzustellen. Dies schließt einerseits die Inkunabeln, die Werke des 16. Jahrhundert und natürlich auch die spätere Produktion von Alsatica  mit ein. Die Werke der Alsatica aus dem 16. Jahrhundert werden in der Reserve unter der Signatur R aufbewahrt. 1937 veröffentlichte der Bibliograf François Ritter unter dem Titel Répertoire bibliographique des livres imprimés en Alsace aux 15e et 16e siècles einen ersten Katalog.

Ikonografie

 

Die ikonografische Sammlung der BNU ist sehr groß und vielseitig. Es gibt zwei große Hauptgruppen: die allgemeine und die Elsass-Sammlung. Die allgemeine Sammlung umfasst 25 000 Porträts von europäischen Persönlichkeiten sowie zahlreiche Fotografie-Sammlungen (z. B. die Sammlung von 22 000 französischen Postkarten des Abtes Ottmann, die 2007 in die Bibliothek kam oder die Zeichnungen- und Grafiksammlung über die Stadt Nürnberg).

Kartografie

Seit der Gründung der Bibliothek gab es eine allgemeine kartografische Sammlung, die den Geografen der Universität bei der Arbeit diente. Heute  ingegen konzentriert sich das Interesse auf Karten des Elsass, von den Ursprüngen bis zur heutigen Zeit. Der allgemeine Teil der Sammlung umfasst 40 000 Dokumente und wird heute nicht mehr ergänzt, außer durch gelegentliche Erwerbungen von allgemeinen Atlanten oder Werken zur Kartografiegeschichte.

Numismatik

Die Kaiserliche Bibliothek hatte ursprünglich keine Absicht, eine numismatische Sammlung innerhalb der Bibliothek anzulegen. Doch der Verkauf einer sehr bedeutenden Colmarer Sammlung führte 1873 dennoch zu einem positiven Entscheid. Anfang des 20. Jahrhunderts übergab die Stadt Straßburg zudem ihre 14 000 Stück zählende Sammlung als Depositum an die Bibliothek. Heute umfasst die Sammlung des Münzkabinetts der BNU etwa 39 000 Münzen, Medallien und andere münzförmige Objekte.

Les archives de la famille de Turckheim

Das Archiv der Familie de Turckheim ist eine Schenkung, die 1998 durch Francis de Turckheim an die Bibliothek kam. Die Sammlung umfasst das Familienarchiv, Dokumente aus Verwaltung und Berufsleben verschiedener Familienmitglieder seit dem 16. Jahrhundert sowie von verwandten Familien oder Persönlichkeiten, die mit der Familie de Turckheim in Verbindung standen: Dazu zählen die Familien Hennenberg, Brunck, Schoenemann sowie De Dietrich. Das Archiv besteht aus über 29 000 Archivalien sowie 307 Druckwerken in Buchform.

Die Sammlung von Arthur de Gobineau

Die Sammlung Gobineau wurde von der Bibliothek im Jahre 1903 erworben, als diese zum Verkauf angeboten wurde. Das literarische Werk Arthur de Gobineaus (1816-1882), einige seiner Möbel, seine orientalistische Sammlung und weitere Kunstwerke wurden der Kaiserlichen Universitätsbibliothek Straßburg durch einen Professor in Freiburg im Breisgau empfohlen: Ludwig Schemann, der seit 1889 Verantwortlicher der Vereinigung Gobineau war.

Charles Oulmont

Charles Oulmont (1883-1984) wurde in Mülhausen geboren. Er war Professor an der Sorbonne, Musiker, Kunstkritiker und Kunsthistoriker, Sammler und Roman- und Theaterautor. Seine künstlerische Vorliebe lag im 18. Jahrhundert, und er interessierte sich insbesondere für künstlerische Möbelherstellung. Er gründete unter der Schirmherrschaft der Fondation de France das "Hilfszentrum für Künstler" (Centre d'aide aux artistes), das später in Fondation Charles Oulmont umbenannt wurde.

Die ägyptologische Sammlung des Kanonikers Drioton

Die Sammlung Drioton wurde von der BNU im Jahr 1961 mit Mittteln der Kriegsentschädigung des Zweiten Weltkrieges erworben. Etienne Drioton (1889-1961) war Generaldirektor des Service des antiquités de l’Egypte (1936-1952) und Professor am Collège de France (1957-1961).

Bibliografie

Die alten Bestände

Allioux, P.-H., Fréchet, G., Littler, G. Martinez, M. Strasbourg – Bibliothèque Nationale et Universitaire. In: Patrimoine des bibliothèques de France, Alsace – Franche-Comté, vol. 4. Paris, 1995, S. 158-179. (Separatdruck in der BNU käuflich).

Die neusten Erwerbungen von Kulturgütern

Neben den aktuellen laufenden Erwerbungen erwirbt die BNU auch Kulturgüter, welche die Kulturgüter-Sammlungen ergänzen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf: Elsass und elsässische Drucke vom 16. Jahrhundert bis heute, Ikonografie-Kartografie, Spezialgebiet Europa usw. Wir stellen Ihnen hier einige unserer letzten bemerkenswertesten Erwerbungen vor.

 
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